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Was ist meine Arbeit wert?

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Medien, Persönlich

Ich hatte vor kurzem eine Anfrage für eine Logogestaltung. Als es darum ging, wie teuer das sein würde, kam es zu einem Missverständnis. Viele wissen gar nicht, was hinter einer grafischen Arbeit für Aufwände stecken.

Es funktioniert ja leider nicht so, dass man einfach ein paar Linien zusammen tut und dann kommt da eine hübsche Grafik raus. Zuerst geht man an das Ganze immer mit ein paar tieferen Überlegungen, idealerweise mit einem Konzept heran. Es wird eine genaue Analyse des Kunden gemacht. Was macht er, was sind seine Zielgruppen, wofür wird das, was man entwirft, eingesetzt?

Danach erst geht es an die gestalterischen Fragen. Die wichtigste Frage bei der Logogestaltung ist: „Welche Form gibt das wieder, wofür das Unternehmen, die Person steht?“ und „Spricht es die Zielgruppe an?“ Ab diesem Zeitpunkt ist es am besten, man macht sich zu jeder Idee eine Skizze, dadurch sieht man am besten, ob die Idee funktioniert oder nicht.

Alleine diese Vorüberlegungen beanspruchen zum Teil schon einen halben Tag, mindestens. Und das Grafikprogramm ist noch nicht einmal geöffnet.

Wenn man nun eine Skizze gefunden hat, die am besten zu den Vorüberlegungen passt, kann man anfangen, das Ganze in eine Grafik umzusetzen. Da kommen dann Fragen auf wie: „Welche Farben passen am besten und welche Schrift? Eine mit Serifen, oder doch besser ohne? Verschnörkelt oder gerade?“ Es werden viele Varianten ausprobiert. Einmal die Schrift über das Bild setzen, dann doch besser noch mal darunter ausprobieren, und so weiter. Dann schläft man eine Nacht drüber und am nächsten Tag fallen einem noch mal wieder Sachen auf. Es gibt also auch immer noch mal einige Korrekturschleifen.

Laut AGD (Allianz Deutscher Designer) dauert eine gute Logoentwicklung ungefähr 20 Arbeitsstunden. Des weiteren empfiehlt die AGD für selbstständige Designer einen Stundenlohn von 78 €. Bei 20 Stunden Arbeit würde ein Logo also 1560 € kosten. Obendrauf kommen dann eigentlich immer noch die Nutzungsgebühren. Diese lassen aber viele Designer wegfallen, da in der Praxis nur wenige bereit sind, so viel zu bezahlen. Was ich schade finde, denn ein Logo und auch alle anderen grafischen Produkte sind eben nicht nur ein paar Linien. Dahinter steckt geballte Kreativität und Gedankenkraft des Designers.

Wenn euch also jemand ein Logo für 50 € anbietet, bin ich mir ziemlich sicher, dass es kein gutes Logo wird. Auch wenn das Angebot von einem Azubi oder Hobbydesigner kommt, selbst die haben mehr verdient!

6 Kommentare

  1. Gut und dennoch kurz und knapp beschrieben! Danke für die Basis Arbeit, schade, dass viele Kunden nicht wissen, was das Wert ist, bzw. es sich nicht leisten wollen udn dass man soviel herumerklären muss, wo doch jeder Klempner seinen Stundenpreis nennt und niemand zuckt…wahrscheinlich ist die Not da größer.. es merkt niemand so schnell, wenn wir von schlechtem „billigem“ Design umzingelt sind.

  2. Hallo Anne, guter Artikel, der mal wieder das alte Problem vieler Kreativer auf den Punkt bringt. Kunden schauen erst auf das Geld und dann auf die Leistung, nach dem Motto: ich kenne aber jmd der das für x € macht.

  3. Schlimm, das sogar für $ 5,00 die Leistungen angebite werden (z.B. bei fiverr .com). Ein gutes Logo ist selbstverständlich mindestens so viel wert, wie Du beschrieben hast. Die Bereitschaft bzw. Einsicht der Kunden, das Geld auch tatsächlich zu bezahlen und den Design-Prozess insgesamt als Investion (und nicht als Kosten) zu betrachten, ist leider nur mäßig ausgeprägt. Aber kämpfe bitte weiter für gute Logos.

  4. Also Fiverr ist keine Konkurrenz. Aus Eigeninteresse habe ich das mal ausprobiert. Die 5$ sind nur ein Teaser, der endgültige Preis für saubere Arbeit liegt bei weitem höher.
    Die Nutzungsgebühren sind veraltet. Klar, wer ein Logo für einen internationalen Großkonzern entwirft, soll auch Nutzungsgebühren bekommen, aber die kleinen und Mittelständischen Betriebe können damit nichts anfangen.
    Der AGD lebt hinter dem Mond, ich kenne kaum jemand, der die Horrorpreise, die sich der AGD vorstellt auch bekommt, zumindest nicht die Alleinkämpfer. Die Realität sieht anders aus. Selbst der Stundensatz von 78 Euro ist für viele zu hoch.

    Wichtig ist, dem Kunden im Vorfeld zu erklären, was er da bekommt. Und ihn aufzuklären, seine Arbeit wertig anzupreisen. Klare Definitionen und Korrekturschleifen müssen immer extra bezahlt werden, eine ist im Preis inbegriffen. Ich fahre ganz gut mit Paketpreisen. Logo inkl. Visitenkarte und Briefpapier, daraus lässt sich ein schönes Paket schnüren. Da ist man dann gut bit 1200 bis 1500 dabei. Das passt und lässt sich auch verkaufen. Dazu noch die Erklärung, dass es eine Geschäftsinvestition ist für lange Zeit.

    Wichtig ist auch die Unterscheidung der Kunden. Es ist ganz klar, dass ein kleiner Friseursalon mit der Inhaberin als einzige Angestellte keine 1500 Euro für ein Logo ausgibt oder ausgeben kann. Bei einem regionalen mittelständischen Unternehmen ist das anders.

    Fakt ist aber, dass leider unsere Leistungen viel zu wenig bezahlt werden. Die Kunden zu finden, die das zahlen wird immer schwieriger. Die Konkurrenz ist groß und ich habe schon tolle Logos für um die 100 Euro aus dem Netz gesehen, wo ich nur den Kopf schütteln konnte, weil ich selber weiß welche Arbeit dahintersteckt.

    Wenn mich ein Kunde fragt, was kostet ein Logo, dann frage ich immer, was kostet ein Auto?
    Da wird den meisten Kunden klar, dass man nicht einfach einen Preis aus dem Ärmel schütteln kann.
    Was auch gut wirkt ist eine Unterscheidung aus Schriftlogo und Bildlogo. Ein Bildlogo mit Illustration oder Icon ist immer teuerer und das verstehen die Kunden auch.

    Es ist eine Gradwanderung zwischen wirklich anspruchsvollem Design, das teuer sein darf und Geld verdienen. Denn wenn man Arbeit benötigt, dann macht man auch schon mal Logos für 500 Euro. Man darf dann nur nicht so viel Zeit investieren, sonst kommt Frust anstelle von Spass auf.

    Ansonsten, wahr gesprochen, guter Artikel, der es auf den Punkt trifft.

    • Hallo Reinhard,
      danke für deine guten, ausführlichen Gedanken!
      Du gehst an die Sache richtig herran, da kann man sich eine Scheibe von abschneiden! :)
      Die Gegenfrage mit dem Auto hab ich mir auf jeden Fall gemerkt!

      Liebe Grüße
      Anne Ostsee

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